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  China und sein Geld

Du kannst Geld nicht anziehen, und dennoch wärmt es Dich,
Du kannst Geld nicht essen, und doch füllt es den Bauch.

Aus dem Buch des Meisters Guan (+ 645 v. Chr.)

China und sein Geld –
Ein alternatives Währungssystem

Kauri, Spaten-, Messermünzen

Als irgendwann um die Wende vom 7. zum 6. Jahrhundert im Abendland die Münze „erfunden“ wurde, da kannte man in China schon längst Objekte, die als Geld dienten. Sie waren allerdings nicht wie im Westen aus edlem Metall. Stattdessen benutzte man seit dem 11. Jahrhundert v. Chr. das Gehäuse der Kaurischnecke, um damit zu zahlen. Wir kennen sogar Preise aus dieser Zeit. Auf einem wertvollen Bronzegefäß liest man, daß Huan, Graf von Ju die Vase für 14 Schnüre mit je 10 Kauris, also für insgesamt 140 Kauris anfertigen ließ.

China.
Imitation einer Kaurischnecke aus Knochen.
China.
Reich der Chu, Ameisen-Nasen-Münze,
4./3. Jh. v. Chr., Stilisierte Form einer Bronze-Kauri

Kauris waren also wertvoll. Sie mußten von den Küsten des ostchinesischen Meeres ins Landesinnere geschafft werden und waren viel zu teuer, um damit einen Brauch zu erfüllen, den Chinesen heute noch pflegen. Wenn es darum ging, die Gräber der Verstorbenen mit Opfergaben auszustatten, griff man lieber auf Kauri-Nachahmungen zurück: aus Knochen und Perlmutt geschnitzt oder aus Bronze, Silber und Gold gegossen.

Irgendwann geschah dann der entscheidende Schritt: Nicht nur die Kauris der Toten, auch die Kauris der Lebenden wurden wohl im 8. Jahrhundert aus Bronze gegossen. Damit war die Wirtschaft für ihr Geld nicht mehr vom Kaurinachschub abhängig, sondern konnte sich ihre eigenen Kauris selbst herstellen.


China.
Reich der Zhou, Spatenmünze, 4. Jh. v. Chr.

Während im Norden Chinas die Wirtschaft auf diesen Kauris basierte, entstand im Zentrum, in der Ebene des Gelben Flusses eine andere Form von Geld. Dort lebten Bauern. Ihr Tagesablauf kreiste um die Felder und ihre Bestellung, kein Wunder, daß der Spaten zu einem wichtigen Tauschmittel wurde. Erst, etwa um 1000 v. Chr., mögen es echte Spaten gewesen sein, im 8. Jahrhundert aber – also gleichzeitig mit der Herstellung der bronzenen Kauris, ging man zu Schrumpfformen über, die ausschließlich als Geld dienten. Sie waren kleiner und weniger stabil als echte Spaten, konnten natürlich nicht mehr zum Graben eingesetzt werden, erfüllten ihre Geldfunktion deswegen aber nicht schlechter.

China.
Reich der Qi, Messermünze, 4. Jh. v. Chr.

Doch nicht nur Spaten wurden als Geld benutzt, im Norden und Nordosten, dem Land der Jäger und Nomaden, hatte sich aus dem dort wichtigsten Tauschmittel eine dritte Geldform herausgebildet, das Messergeld.
Kauris, Spaten und Messer kursierten nebeneinander bis sich wohl im
3. Jahrhundert v. Chr. eine völlig neue Geldform durchsetzte.

Käsch ist cash

China. Qin-Dynastie. Kaiser Qin Shihuangdi (221-210 v. Chr.), Banliang (= im Gewicht eines halben Liang) oder – wie wir heute sagen würden – Käsch.
Traditionell wird die Einführung der ersten Käschs im chinesischen Gewicht von einem halben Liang (ungefähr 8 g) dem großen Kaiser Qin Shihuangdi (221-210 v. Chr.) zugeschrieben, dessen Grab in Xi’an von den berühmten Terrakottakriegern bewacht wird. Allerdings tendiert die traditionelle chinesische Geschichtsschreibung dazu, alle großen Einigungsbewegungen auf diesen bedeutenden Herrscher zurückzuführen, so daß wir eher dem archäologischen Befund vertrauen dürfen, der die ersten Käsch auf das Ende der Zeit der Streitenden Reiche datiert (453-221 v. Chr.).

China.
Qing-Dynastie. Kaiser Puyi (1875-1908), Käsch.

Ein Käsch ist eine runde Bronzemünze mit einem eckigen Loch, die Schriftzeichen trägt, welche Gewicht und / oder ausgebende Instanz angeben. Diese Münze war ein perfektes Symbol der kaiserlichen Autorität. Beide – Münze und Kaiser – verbanden Himmel und Erde, yin und yang. Den Himmel dachten sich die chinesischen Philosophen als eine Art Kuppel, vereinfacht als Kreis, die Erde dagegen verkörperte sich im Quadrat. Aufgabe des Kaisers war es, durch seine Gesetze den Frieden zwischen Himmel und Erde herzustellen und für die Erde vom himmlischen Kaiser gute Ernten und Wohlstand zu erbitten. Das zentrale Heiligtum Chinas, der Himmelstempel, war ein Rundbau in einem quadratischen Hof – und die kaiserlichen Münzen nehmen diesen Symbolismus auf: Sie sind rund mit einem quadratischen Loch. So spiegelt sich die chinesische Weltanschauung in den Käsch, die bis ins 19. Jahrhundert Chinas wichtigstes Geld darstellten. Diese Münzen waren genau wie unser heutiges Geld, eine „Fiat-Währung“, also ein Tauschmittel, das keine Deckung durch Edelmetall besitzt, sondern lediglich aus gemeinsamer Konvention Geldwert besitzt. Der Staat schrieb per Gesetz vor – wir wissen dies aus einer Gesetzessammlung, die 1975 in dem Grab eines Zeitgenossen des Qin Shihuangdi gefunden wurde –, daß niemand die Münzen wegen zu geringem Gewicht zurückweisen durfte, und das obwohl nebeneinander Stücke von 2 bis zu 11 g kursierten.

Zuletzt noch ein Wort zur Bezeichnung Käsch. Die stammt nicht, wie man meinen möchte, aus China, sondern aus Indien, wo das Wort „karsha“ „Bronzemünze“ bedeutete.

Münzherstellung und Geldbaum

Die Käsch wurden nicht wie die westlichen Münzen geprägt, sondern in verlorener Form gegossen. Dazu fertigte zunächst ein bedeutender Kaligraph den Entwurf der neuen Münze, die ja nicht mit einer bildlichen Darstellung geschmückt war, sondern ausschließlich mit Schriftzeichen. In manchen Fällen soll sich der Kaiser sogar persönlich als Münzdesigner betätigt haben. Wenn das Modell von offizieller Seite genehmigt worden war, schnitzte man es in Holz, Knochen oder Elfenbein. Dies diente als Ausgangsmaterial für die erste Gußform, mit der man die so genannten Ahnenmünzen erstellte. Sie waren die Urtypen, die Stücke, von denen jede weitere Münze der Emission abstammte. Folglich mußten sie sorgsam überarbeitet werden.
Von den „Ahnenmünzen“ wurden neue Gußformen angefertigt mit denen „Muttermünzen“ hergestellt wurden. Diese „Muttermünzen“ wurden in die lokalen Ateliers in ganz China versandt, um damit wiederum Gußformen herzustellen, mit denen die Umlaufmünzen fabriziert wurden.

China.
Qing-Dynastie. Kaiser Puyi (1875-1908), Käsch.

China.
Qing-Dynastie. Kaiser Puyi (1875-1908), Käsch.

Diese Gußformen bestanden aus übereinander gestapelten Tonplatten, in die jeweils mehrere Münzformen eingedrückt waren, die ein Gußkanal verband. Damit konnten in einem einzigen Guß viele Münzen hergestellt werden, die durch einen feinen Steg des erstarrten Metalls verbunden waren. So entstand das Urbild des chinesischen Geldbaums, Symbol für Glück und Reichtum, der bei jedem Begräbnis mitgetragen wurde, um dem Toten auch für das Jenseits Reichtum zu garantieren.
Übrigens erzeugten nicht nur staatliche Münzstätten Käsch. In Gegenden, wo Münzen knapp waren, benutzten Privatleute umgelaufene Stücke, um nach demselben Verfahren Käsch herzustellen, die auf dem Markt übrigens genauso angenommen wurden wie die kaiserlich sanktionierten Stücke.
Diese Massenproduktion war nötig, um die gewaltige Menge von Münzen zu erzeugen, die China brauchte. Schließlich war ein einzelner Käsch kaum etwas wert. Zahlte man während der Han Dynastie (206 v. Chr. – 220 n. Chr.) noch 4.500 Käsch für ein Pferd, kostete es zur Zeit der Tang Dynastie im 7. Jahrhundert schon 25.000 Käsch, während der Mongolenherrschaft des 13. Jahrhunderts stieg es gar auf 90.000 Käsch – und das für ein einziges Pferd. Die Münzen wurden zu 1000 auf Schnüre gefädelt oder in gesiegelte Tongefäße abgefüllt.

Silber, Gold und Seide

China.
Qing-Dynastie (1644-1911),
Silberbarren zu 10 Liang.

Erst die Eroberung Chinas durch die Tschurtschen der Jin-Dynastie (1115-1234) und die Mongolen der Yuan Dynastie (1206-1368) brachte neues ökonomisches Gedankengut. Beide Völker stammten aus einem Gebiet, das die westliche Silberwährung kannte, in der die Münze ausschließlich nach ihrem Metallwert beurteilt wurde. So entstand in China eine zweite Währung, Silberbarren, die von privaten Goldschmieden hergestellt wurden. Ihnen war per Gesetz vorgeschrieben, jeden Barren genau zu kennzeichnen, da der Staat sie streng bestrafte, wenn Gewicht oder Feingehalt nicht mit dem übereinstimmte, was auf dem Barren angegeben war.
Diese Barren kursierten zusammen mit genau normierten Seidenstoffen und Getreide als eine zusätzliche Währung, in der größere Summen, aber auch die Steuern bezahlt werden konnten.

Das Papiergeld wird erfunden

Um auf ihren Handelsreisen nicht große Mengen Geld mit sich führen zu müssen, kamen einige chinesische Kaufleute wohl um die Wende vom 8. zum 9. Jahrhundert auf die Idee, bei der heimischen Kaufmannsgilde einen bestimmten Betrag in Silber einzuzahlen, für den ein Beleg ausgestellt wurde, der nur in der Partner-Gilde vorgelegt zu werden brauchte, um wieder Bargeld zu erhalten. 841 verbot die Regierung diese Praxis. Sie wollte selbst das Monopol, Geldscheine auszugeben. So entstand unter Kaiser Zhenzong (997-1022) das erste staatliche Papiergeld der Welt.

China.
Ming-Dynastie. Kaiser Tai Zu (1368-1398), Banknote zu 1000 Käsch.

Deutlich erkennbar ist der Wert dieser Banknote durch die darauf abgebildeten
10 Geldschnüre mit je 100 Käsch.

Ihre erste Blüte erlebte das chinesische Papiergeld unter den Mongolen. Der Reisende Marco Polo berichtete darüber folgendes: „Wenn diese Papiere so lange im Umlauf waren, daß sie zerrissen und zerlumpt aussahen, dann brachte man sie zur Münzstätte und wechselte sie in neue, frische Scheine und zahlte dafür eine Gebühr von 3 %. Wenn ein Mann Gold oder Silber kaufen will, um daraus ein Tischservice zu machen oder einen Gürtel oder anderen Schmuck, dann geht er mit einigen Papieren zur Münzstätte des Khans und gibt sie als Bezahlung für das Gold und das Silber, das er vom Münzmeister kauft. Die gesamte Armee des Khans wird mit dieser Art Geld bezahlt.“

Der Westen nimmt Einfluß

Seit dem 16. Jahrhundert versuchten westliche Kaufleute, Handelsverbindungen mit China aufzubauen. Zu verführerisch waren die Waren, die seit Jahrhunderten in relativ geringen Mengen über die Seidenstraße transportiert worden waren. Da gab es den Tee, der sich spätestens seit dem 17. Jahrhundert in England zu einem Modegetränk entwickelte. Dann natürlich die Seide und all die anderen kostbaren Objekte des Kunsthandwerks, die europäische Handwerker mit mehr oder weniger Geschick nachzuahmen versuchten.

Spanien.
Real de a ocho von 1808
mit chinesischen Gegenstempeln.

Europa hatte dagegen nichts, was die Chinesen wirklich brauchten. So verlangten sie Silber für ihre Waren. Vor allem spanische Münzen zirkulierten als eine Art „Minibarren“ in China. Der Abfluß des europäischen (bzw. vielmehr südamerikanischen) Silbers beunruhigte die verschiedenen Regierungen und so suchte man nach einer Ware, mit der man einen wesentlich lukrativeren Dreieckshandel betreiben könnte. Die Engländer fanden sie im Opium: Sie brachten billige Baumwollgewebe nach Indien, tauschten diese dort gegen Opium, um dafür in China den in England so begehrten Tee einzuhandeln. Das Resultat waren die beiden Opiumkriege, in denen England China zwang, die Droge offiziell zu importieren. Dem chinesischen Kaiser blieb nichts anderes übrig, als sich dem westlichen Druck zu fügen.

Heute

Mit den Opiumkriegen war China völlig unter den Einfluß von Europa geraten. Und so setzte sich auch das westliche Geldsystem durch. Unter Puyi, dem letzten Kaiser, wurden die ersten Münzen im westlichen Stil geprägt. Dies geschah nach 1889, als in Kanton eine Münzstätte mit Prägemaschinen aus Birmingham eingerichtet wurde.

China.
Quing-Dynastie. Kaiser Puyi (1875-1908), Drachendollar 1889.
Eine der ersten chinesischen Münzen im „westlichen“ Stil – aber noch ohne Porträt.


Heute ist China völlig in das westliche Währungssystem integriert. Selbst das menschliche Porträt, das erst mit Sun Yat-sen (1866-1925), dem ersten Präsidenten der Republik China Eingang in die chinesische Münzprägung fand, ist kein Tabu mehr. Auch wenn natürlich in Europa der Panda zum Inbegriff des chinesischen Münzbilds wurde. Im Alltag zahlt man in Renmimbi (= Volkswährung), die Einheit ist der Yuan zu 100 Fen. Den Sammler werden aber die vielen schönen Gedenkausgaben der chinesischen Münzstätten mehr interessieren, die uns in numismatischer Form mit Vergangenheit und Gegenwart dieses einzigartigen Volkes bekannt machen.

Ursula Kampmann

Für die Abbildungen danken wir
dem MoneyMuseum, Zürich
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