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World Money Fair - Newsletter
 
 

Newsletter, November 2011

Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe Aussteller,

bei uns in Berlin geht es im Vorfeld der 41. World Money Fair zunehmend hektisch zu. Ganz anders stellen wir uns die Arbeit an den drei großen numismatischen Forschungsstätten in Großbritannien vor – ruhig und mit einem angemessen langen Atem, um die wunderbaren Schätze fachgerecht beurteilen und präzise in historische Kontexte einordnen zu können.

Freuen wir uns heute über den aktuellen Bericht von Dr. Ursula Kampmann, in dem die britische Münzenforschung in London, Oxford und Cambridge im Vordergrund steht. Seit langem gelten die wissenschaftlichen Beiträge, mit denen sich Großbritannien an internationalen Debatten beteiligt, als überaus wichtig. Ein weiterer Baustein sich mit unserem Ehrengast, The Royal Mint, vertraut zu machen.

Wir „erforschen“ unterdessen weiter Ihre Wünsche. Und schon jetzt freuen wir uns auf ein Wiedersehen in Berlin!

Ihr Organisationsteam
der World Money Fair

 

British Museum, Cambridge, Oxford
Die drei großen numismatischen Forschungsstellen in Großbritannien

von Ursula Kampmann

In der numismatischen Forschung nimmt Großbritannien heute eine führende Rolle ein. Dies hat zwei Gründe. Zum einen gibt es kaum ein anderes Land, das durch seine internationale, koloniale Vergangenheit mehr Münzen aus anderen Ländern in seinen Sammlungen besitzt. Zum anderen verfügt England über eine äußerst faire Gesetzgebung in Sachen Schatzfunde, die dazu geführt hat, dass die Zusammenarbeit zwischen Detektorgängern, Sammlern, Händlern und Wissenschaftlern hervorragend ist. Praktisch jeder Neufund wird durch das Portable Antiquities Scheme erfasst, wissenschaftlich bearbeitet und der Numismatik zur Verfügung gestellt. Auf diese Weise ist Großbritannien in der Fundmünzenforschung heute die führende Nation.


Abb. 1 – Innenraum des British Museum. Foto: UK.

Das British Museum – Kompetenzzentrum für Numismatik
Zum Zählen sind es zu viele Münzen, die heute im „Department of Coins and Medals“ lagern. So kann man also nur schätzen: Es soll sich um etwa eine Million Objekte handeln. Die kommen natürlich nicht alle aus England. Das British Museum konnte im Laufe der Jahrhunderte viele Sammlungen erwerben, die britische Kaufleute und Offiziere vor Ort zusammengetragen haben. Ja, auch viele „Ausländer“ überließen dem British Museum ihre Sammlung, weil man sich sicher war, dass sie dort die optimale Betreuung erhalten würde. Deshalb leistet man sich im British Museum dafür 17 Spezialisten, die selbstverständlich die Sprachen sprechen, die auf ihren Münzen zu lesen sind! Und so publiziert das British Museum immer wieder Bücher zu – für einen Europäer – abgelegenen Gebieten der Numismatik. Meist handelt es sich dann um die einzige Arbeit zu diesem Thema in einer für einen westlichen Numismatiker lesbaren Sprache. Ein kleines Beispiel: 2011 gab das British Museum ein Buch über seine Sammlung japanischer Münzen heraus, die immerhin eine der besten außerhalb Japans darstellt. Doch das ist nicht alles. Die vorläufige Reinigung und Bestimmung aller im Rahmen des Portable Antiquities Scheme betroffenen Fundmünzen ist im British Museum angesiedelt. Da werden in guten Jahren 6stellige Zahlen an Münzen bewältigt! Dass das British Museum das einzige Forschungsprojekt zur afrikanischen Numismatik betreibt – in Afrika und unter Einbeziehung afrikanischer Numismatiker –, kann hier nur en passant erwähnt werden.


Abb. 2 – Der Studienraum im Münzkabinett des Fitzwilliam Museum. Foto: UK.

Cambridge – Wo die mittelalterliche Numismatik herrscht
Nur eine Zugstunde von London entfernt liegt das zweite numismatische Zentrum Großbritanniens, das Münzkabinett im Fitzwilliam Museum. Dank dem auch in Deutschland bekannten Numismatiker Philip Grierson (1910-2006) befindet sich dort nicht nur die wahrscheinlich wichtigste Sammlung mittelalterlicher Münzen. Hier ist auch das MEC angesiedelt, ein Projekt, die gesamte mittelalterliche Münzprägung in einem mehrbändigen Katalogwerk zu erfassen. Wissenschaftler aus aller Welt arbeiten mit Cambridge zusammen, um dieses ehrgeizige Projekt Realität werden zu lassen. Dazu wurde unter Mark Blackburn die Erfassung mittelalterlicher Fundmünzen aus England ins Internet gestellt. Die Website zu den englischen Hortfunden ist eine wichtige Quelle für Forscher und interessierte Sammler. Doch das ist noch nicht alles: Ein ehemaliger Kurator im Ruhestand, Ted Buttrey, hat in Cambridge eine Zentrale für Auktionskataloge und Lagerlisten geschaffen. Hier wird das gesamte Material des Handels für nachfolgende Wissenschaftlergenerationen gesammelt. Dazu ist derzeit die Zentrale für die Sylloge-Bände griechischer Münzen in Cambridge angesiedelt.


Abb. 3 – Die Money Gallery im Ashmolean Museum. Foto: UK.

Oxford – Kelten im Mittelpunkt
Der Heberden Coin Room des Ashmolean Museum ist das dritte große wissenschaftliche Zentrum im Süden Großbritanniens. Zwei Stunden im Bus fährt man von Cambridge, eine Stunde im Zug von London, um dorthin zu gelangen. In Oxford feierte im Dezember 2011 der keltische Münzindex seinen 50. Geburtstag. Der keltische Münzindex beruht ebenfalls auf der guten Zusammenarbeit von Wissenschaftlern, Händlern und Sammlern, die gemeinsam dabei sind, die Fundorte aller in England entdeckten keltischen Münzen festzuhalten. Dies hat sich als äußerst fruchtbar erwiesen. Die Engländer sind nicht nur besser über die Siedlungsgebiete der einzelnen eisenzeitlichen Stämme informiert als wir, sie verfügen auch mit dem Celtic Coin Index über ein ausgezeichnetes Hilfsmittel zur Fälschungsbekämpfung von erfundenen keltischen Münztypen. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ist die Erstellung des RPC (= Roman Provincial Coinage), eines Katalogs aller Münzen aus den Römischen Provinzen. Der aktuelle Band steht vor dem Druck bereits im Internet, um noch möglichst viele nicht erfasste Münzentypen von Sammlern und Wissenschaftlern gemeldet zu bekommen. Berühmt ist Oxford durch seine wissenschaftlichen Kolloquien, die es zu allen brennenden Themen der numismatischen Forschung abhält.

British Museum, Fitzwilliam Museum und Ashmolean Museum, alle drei verfügen über eine ausgezeichnete Münzenausstellung für den privaten Besucher. Während in London und in Oxford die Numismatik in einer großen „Money Gallery“ angesiedelt ist, sind im Fitzwilliam Museum die Münzen in die Ausstellung eingebunden. Dass alle drei Häuser auch eine große Rolle in der Ausbildung von Nachwuchsnumismatikern spielen, sei noch zum Schluss erwähnt. Viele Kuratoren in der ganzen Welt haben ein paar Jahre im British Museum gearbeitet. Unzählige Studenten werden jedes Jahr im Heberden Coin Room und im Fitzwilliam Museum mit der Bestimmung und Handhabung von Münzen vertraut gemacht.

Ein Besuch in jeder der drei Institutionen ist für Wissenschaftler und Laien gleichermaßen interessant und bereichernd.

 

 
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World Money Fair - Newsletter
 
 

Newsletter, November 2011

Dear Madam, dear Sir,
Dear exhibitors,

Things are getting increasingly hectic here in Berlin, as we are busy with the preparations for the 41st World Money Fair. We believe that working at one of the three important numismatic research centres of Britain must be completely different – calm, and with the appropriate time and patience to competently evaluate these exquisite treasures and put them accurately into their historical contexts.

Today, we are pleased to present the current report by Dr. Ursula Kampmann which mainly focuses on numismatic research in London, Oxford and Cambridge. For a long time, scholarly contributions from the United Kingdom to current international debates have been regarded as extremely relevant. Another means of becoming acquainted with our Guest of Honour, the Royal Mint.

Meanwhile, we here will be “doing more research” to find out about your wishes. And we are already looking forward to seeing you again in Berlin!

The organisation team
of the World Money Fair

 

British Museum, Cambridge, Oxford
The Three Big Institutions of Numismatic Research in Great Britain

by Ursula Kampmann

The United Kingdom today plays a leading role in numismatic research, mainly for the following two reasons. On the one hand, due to Britain's colonial past, there is hardly a country whose numismatic collections boast such a wide variety of coins of foreign origins. On the other hand, current English laws regarding treasure finds are very fair, which has led to establishing an extraordinarily good collaboration of metal detectorists, collectors, dealers and scholars. Almost every new find is recorded by the Portable Antiquities Scheme, scholarly documented and made accessible to the numismatic public. Thus, Great Britain has become the leading nation in research on coin finds.


Pic. 1 – Interior of the British Museum. Image: UK.

The British Museum – Competence Centre for Numismatics
The coins currently on store in the Department of Coins and Medals are just too many to count. So, one can only make a rough estimate: There are probably about one million objects. Naturally, not all these are of British origin. Over the centuries, the British Museum could get hold of many collections gathered abroad by British merchants and officers. As a matter of fact, a lot of “foreigners” bequeathed their collection to the museum, as well, confident that it would be perfectly looked after. Therefore, the British Museum affords to employ 17 experts who, it goes without saying, are proficient in the languages used in coin inscriptions! That is why the British Museum keeps publishing works on numismatic fields that seem rather remote to Europeans. In most of these cases, the book is the only work on this topic written in a language accessible to Western numismatic readers. To give but one example, in 2011 the British Museum published a catalogue of its holdings of Japanese coins which, after all, is one the best collections outside Japan.

And that is not all. The preliminary cleaning and identification of all coins from hoard troves recorded by the Portable Antiquities Scheme is carried out in the British Museum. In good years, they can cope with a six-digit number of coins!

As a side note, let it be mentioned that the British Museum is running the only existing research project on African numismatics – in Africa and collaborating with African numismatists.


Pic. 2 – The study room at the Coin Cabinet of the Fitzwilliam Museum. Image: UK.

Cambridge – Where Medieval Numismatics Prevails
It is just a one-hour train drive from London to the second numismatic centre of Britain, the coin collection of the Fitzwilliam Museum. Thanks to the numismatist Philip Grierson (1910-2006), also well-known in Germany, the museum is home to the probably most important collection of medieval coins. Moreover, the MEC is based here, a project intended to record the entire medieval coin production in a multi-volume catalogue. Scholars from all over the world are collaborating with Cambridge University to make that ambitious project became reality.

Under the direction of Mark Blackburn, finds of medieval coins in Britain have been made accessible in an online database. The website dedicated to British hoard finds provides essential source material to scholars and interested collectors.

But this is by no means all! Ted Buttrey, former curator of the museum and now retired, has built a library of numismatic auction catalogues and stock lists. He collects all kinds of material available from the trade for the use of future generations of scholars. In addition, the central office the Sylloge Volumes of Greek Coins is currently based in Cambridge.


Pic. 3 – The Money Gallery at the Ashmolean Museum. Image: UK.

Oxford – A Focus on the Celts
The Heberden Coin Room at the Ashmolean Museum is the third of the big research centres in the South of England, located at about a two-hour bus drive from Cambridge and one hour by train from London. Oxford University runs the Celtic Coin Index that will celebrate its 50th anniversary in December 2011. The Celtic Coin Index also relies on the good collaboration of scholars, dealers and collectors in documenting all find-spots of Celtic Coins in Britain – a project that has proved to be very fruitful. Experts from Britain are not only better informed about the different areas settled by Iron Age tribes than we are; what is more, the Celtic Coin Index provides them with an excellent instrument to fight counterfeits and identify fake types of Celtic coins. Another research focus is the Roman Provincial Coinage project (RPC), a catalogue compiling coins from all provinces of the Roman Empire. Before going into print, the latest volume has already been put online in order to get more information from collectors and scholars on coin types that have not yet been included. Besides, Oxford is famous for its symposia where relevant topics in numismatics are discussed.

The British Museum, the Fitzwilliam Museum and the Ashmolean Museum all offer a superb exhibition of coins to the private visitor. The museums in London and Oxford both have a major Money Gallery dedicated exclusively to numismatics, whereas the Fitzwilliam Museum showcases its coins along with the general collection. Finally, it shall not be left unmentioned that all three museums are of eminent importance as places of learning and study for future numismatists. Many curators all over the world worked at the British Museum for some years. Each year, at Heberden Coin Room and the Fitzwilliam Museum, numerous students learn to handle and identify coins.

A visit to any of the three institutions is interesting and enriching for professional and hobby numismatists alike.

 

 
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