Unser Ehrengast 2017: Südafrika

Nachdem Südafrika bereits 2010 Ehrengastland der World Money Fair war, freuen wir uns außerordentlich, die South African Mint & die Rand Refinery Ltd. auch 2017 wieder bei uns zu Gast zu haben.

Allemal, da Afrikas bekanntester Exportartikel, der Krügerrand, seinen 50. Geburtstag feiert.

Aus diesem Anlass haben wir im Folgenden viele interessante Informationen zu diesen wunderbaren Sammlerstücken zusammengefasst.
Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre und freuen uns, wenn Sie unsere Website recht bald wieder besuchen.

In Kürze stellen wir Ihnen an dieser Stelle zusätzliche Informationen zur South African Mint und der Rand Refinery Ltd. zur Verfügung.

 

Südafrikas bekanntester Exportartikel: Der Krügerrand

Am 3. Juli 1967 prägte die South African Mint in Prätoria die ersten Krügerrands (Abb. 1 und 2). Zugrunde lag ein neues Konzept: Der Krügerrand war in Südafrika kursfähig, trug aber keinen aufgeprägten Nennwert; statt­dessen wurde und wird der Kurs, zu dem die südafrikanischen Banken den Krüger­rand in Zahlung nehmen, täglich entsprechend dem Goldpreis neu festgelegt. Der Krügerrand war also von Anfang an als Anlagemünze mit wechselndem Wert konzipiert, deshalb wählte die South African Mint für ihre neue Prägung die wichtigste Gewichtseinheit für Gold, die Unze (= troy ounce), also 31,1 g. Damit war der Krügerrand der erste kleine Goldanlagebarren in Münzform. Er war ein enormer Erfolg: Wurden zwischen 1967 und 1969 nur 10.000 Stück jähr­lich geprägt, stieg die Auflage 1970 auf 90.018, 1971 auf 686.400 und 1973 gar auf 869.300.

Währungsschwäche als Grund für die Flucht ins Gold

Der Grund dafür, dass sich der Krügerrand zum Exportschlager entwickelte, war die inter­nationale Währungspolitik. Seit dem zweiten Weltkrieg hatte der Dollar als Leit- und Reservewährung gegolten. Als nun in den 60er Jah­ren die amerikanische Wirtschaft schwächelte und es abzusehen war, dass die Dollar-Gold-Relation bald überdacht werden müsse, begann eine Flucht ins Edelmetall, die den Silber- und Goldpreis in astronomische Höhen trieb. Als die USA 1971 endgültig ihre Dollarbindung aufgab, löste sie eine Inflation aus, bei der alle, die es sich leisten konnten, in Sachwerten investierten.

Davon profitierte natürlich auch der Krügerrand, der dem Kleinanleger die Sicherheit bot, nicht wertloses Papier, sondern echtes Gold im Schließfach zu haben. 1980 wurden, um den Anforderungen des Marktes zu genügen sogar Teilstücke eingeführt: die halbe Unze im Gewicht von 16,97 g, die viertel Unze zu 8,48 g und die zehntel Unze mit 3,39 g. Südafrika konnte seine Außenhandelsbilanz durch den Export ­seiner aus­ge­münz­ten Goldvorräte enorm aufbessern.

Die Motive
Als der Krügerrand 1967 geschaffen wur­de, regierte John Vor­sters mit harter Hand den Apartheidstaat. Unter seinem Vorgänger war die innere Opposition des ANC zerschlagen worden, Nelson Mandela saß bereits seit 3 Jahren auf Robben Island und seine ­Gesinnungsgenossen waren ins Ausland ­geflohen. Kein Wunder, dass der Krügerrand burisches Gedankengut transportierte und auf Vorder- und Rückseite nationale Symbole des weißen Südafrika abbildete.

Die Vorderseite zeigt das nach links gewandte Brustbild von Stephanus Johannes Paulus Krü­ger (Abb. 2). Dieser unter dem Namen Oom Paul oder Ohm Krüger (Oom ist das afrikaansche Wort für Onkel) bekannte Politiker, gehört zu den wichtigsten Nationalhelden der Buren (siehe dazu auch „Berlin und Südafrika“.)

Die Rückseite des Krügerrands zeigt den Spring­bock (Antidorcas marsupialis), das Wap­pentier der Republik Südafrika. Das prächtige Tier lebt in der Savanne und gleicht im Aussehen der Gazelle (Abb. 3). Seinen Namen hat der Springbock von den senkrechten Sätzen von bis zu 3,50 m Höhe, mit denen er sich in die Luft schnellt, wenn er erschrickt. Auch hinsichtlich seiner Schnelligkeit ist der Springbock beachtlich. Bis zu 90 km/h kann sein Lauf erreichen. Damit gehört der südafrikanische Springbock zu den schnellsten Tieren der Welt.

Diese Eigenschaften haben den Springbock zum Wappentier der burischen Republik Südafrika gemacht. Sportteams des Landes benen­nen sich gerne nach ihm, v. a. das erfolgreiche Rugby-Team Südafrikas ist unter dem Namen „the Springboks“ bekannt.

Und warum sieht der Krügerrand immer noch aus wie ein Krügerrand?

Wirtschaftliche Probleme, Druck von außen und natürlich die aktive Widerstandsbewegung im Inneren veranlassten Frederick W. de Klerk, den südafrikanischen Staatspräsidenten, Kon­tak­te zum ANC, der größten Gruppierung von Apart­heidgegnern aufzunehmen. Ohne hier den schwierigen und langen Weg nachzeichnen zu wollen, der zu den ersten freien Wahlen in ­einem demokratischen Südafrika führte, darf man nie vergessen, dass der Machtwechsel dank der Vernunft aller Beteiligten kein so großes Blutvergießen forderte, wie international – und wohl auch in Südafrika – ­gefürchtet worden war. Vielleicht war dies der Grund, warum viele Symbole des alten Südafrika bestehen bleiben konnten und nicht abgeschafft werden mussten.

Nelson Mandela wurde selbst zu einem Symbol der nationalen Versöhnung. Er besuchte zum Beispiel die Witwe des Mannes, von dem er verurteilt worden war. Wenn Mandela sich schon mit seinen direkten Geg­nern versöhnen konnte, warum sollte er sich dann gegen die ­alten nationalen Sym­bole stellen?

Umbenennungen wurden in Südafrika nach der Wende nur überaus zögerlich vorge­nom­men, die meisten Denkmäler aus der Zeit weißer Vorherrschaft durften bleiben. Und auch Paul Krüger neidete man seinen Platz auf der bekanntesten Bullionmünze der Welt nicht.

Für den Springbock trat Nelson Mandela sogar höchstpersönlich ein. Er war besonders umstrit­ten, galt er doch als Wappen des alten Apartheidstaates. Er wurde 1997 aus dem Logo der South African Airways entfernt. Den Springbock des Rugby-Teams aber rettete Nelson Man­dela mit seiner Aussage, dass er schon während seiner Gefängniszeit immer mit großer Spannung die Spiele „seiner“ Mannschaft verfolgt habe.

So hat sich also auch auf dem Krügerrand der Springbock erhalten und ist damit zusammen mit dem Brustbild Krügers ein Zeichen der Hoffnung darauf, dass Versöhnung möglich ist. Die Südafrikaner haben es uns bewiesen.

© World Money Fair Berlin GmbH 2017 | Änderungen vorbehalten.